Saitenwoche

Gitarre spielen lernen zu Hause: Was tun, wenn man hinschmeißen will?

Spätabends in meiner Leipziger Wohnung starre ich auf die tiefroten Rillen in meinen Fingerkuppen und frage mich ernsthaft, warum ich mir das zum vierten Mal antue. Die Gitarre liegt wie ein hölzerner Vorwurf auf meinen Knien, und mein linker Zeigefinger fühlt sich an, als hätte er eine intensive Begegnung mit einer Käseraspel hinter sich.

Hinweis: In diesem Text stecken Affiliate-Links. Wenn du darüber einen Kurs kaufst, bekomme ich eine Provision — für dich kostet es keinen Cent mehr. Ich empfehle hier nur das, was ich in meinem eigenen 4-Wochen-Wahnsinn auch wirklich benutzt habe.

Ich bin Marlene, 38, Grafikerin, und ich habe eine beeindruckende Karriere im Abbrechen hinter mir. Drei Anläufe, drei staubige Gitarrenkoffer im Keller. Aber dieses Mal ist es anders. Vier Wochen, ein Song, EGAL wie wund die Finger werden. Ich ziehe das jetzt durch, öffentlich, damit die Schande vor meinen Kollegen in der Agentur zu groß wäre, wenn ich wieder einknicke. Die machen sowieso schon Witze über mein "neues Hobby".

Die Wand: Wenn der C-Dur zum Endgegner wird

In der ersten Woche war alles noch toll. Diese Euphorie! Ich hab mir den norberg Gitarrenkurs geschnappt, weil ich wusste: Wenn ich mich wieder in kostenlosen YouTube-Tutorials verliere, lande ich nach zwei Stunden bei Katzenvideos und hab keinen einzigen Akkord gelernt. Ich brauche Struktur. Einen Plan, der mich an die Hand nimmt.

Aber dann kam der verregnete Dienstagabend letzte Woche. Der Moment, in dem die Anfangsbegeisterung verpufft wie der Schaum auf einem schlecht eingeschenkten Bier. Ich saß da und versuchte, einen sauberen C-Dur zu greifen. Und was passierte? Ein plötzlicher Krampf im Daumenballen, als ich verzweifelt versuchte, genug Druck aufzubauen. Es klang nicht nach Musik. Es klang nach einer sterbenden Ente.

Und dann ist es passiert: Ich wollte die Gitarre stimmen — nach Gehör, weil ich dachte, ich bin jetzt voll die Profi-Musikerin — und hab eine Saite viel zu fest angezogen. Mit einem peitschenden KNALL ist sie gerissen. Ich saß da, den Tränen nah, und wollte das Ding am liebsten aus dem Fenster im dritten Stock werfen. Direkt auf die Karl-Heine-Straße.

Das Geheimnis der 0,44 %: Warum Aufgeben keine Option ist

Warum bleibe ich diesmal dran? Ein Grund ist tatsächlich der Kurs selbst. Norberg ist seit 11,5 Jahren auf Digistore24 — das ist in Internet-Jahren quasi eine Ewigkeit. Aber die Zahl, die mich wirklich bei der Stange hält, ist die Stornoquote von winzigen 0,44 %. Das bedeutet: Fast alle, die damit anfangen, ziehen es durch. Wenn die das schaffen, dann kann diese Leipziger Grafikerin das wohl auch, oder?

Ich habe gemerkt, dass Beständigkeit viel wichtiger ist als Talent. Talent hab ich nämlich keins, aber ich hab Sturheit. In meinem Plan für das 4-Wochen-Experiment steht ganz klar: Jeden Tag mindestens anfassen. Auch wenn es wehtut. Im Büro brennen meine Fingerkuppen beim Tippen auf der Tastatur, und ich rieche ständig diesen stechenden Geruch von Zitronenöl, mit dem ich mein Griffbrett gereinigt habe. Es ist mein neuer Parfüm-Ersatz.

Wenn du merkst, dass du hinschmeißen willst, schau dir die kleinen Siege an. Gestern hat der Wechsel von G-Dur zu D-Dur zum ersten Mal geklappt, ohne dass ich drei Sekunden Pause machen musste, um meine Finger zu sortieren. Das war wie ein kleiner Dopamin-Schuss direkt ins Gehirn.

Mein Notfall-Plan für Tage, an denen gar nichts geht

Hier kommt mein ultimativer Tipp für alle, die wie ich einen Vollzeitjob und vielleicht noch Kinder oder einen stressigen Alltag haben: Vergiss die Regel "Du musst jeden Tag eine Stunde üben". Das ist BULLSHIT. Wenn ich nach zehn Stunden Agentur-Wahnsinn nach Hause komme, hab ich keine Stunde mehr im Tank. Da will ich nur noch Sofa und Ruhe.

An solchen Tagen greift mein Notfall-Programm: Fünf Minuten. Nur fünf Minuten die Gitarre halten und drei Akkorde greifen. Meistens werden daraus dann doch fünfzehn, weil man halt schon mal dabei ist. Aber die Hürde ist so klein, dass mein innerer Schweinehund keine Chance hat. Es geht um die Routine, nicht um die Performance.

Falls du Abwechslung brauchst, schau dir mal den AndiT Gitarrenkurs an. Der Typ hat 16.000 Abonnenten auf YouTube und sein Kurs bietet 17 Lektionen mit über 40 Songs. Manchmal hilft es, einfach mal einen anderen Song auszuprobieren, wenn man an dem einen gerade verzweifelt. Ein kleiner Tapetenwechsel für die Ohren, sozusagen.

Der Endgegner: F-Dur und die mentale Mammutaufgabe

Mitte der dritten Woche stand er dann vor mir: Der Barré-Griff. In der Gitarrenwelt ist das der Moment, an dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Mein Zeigefinger soll ALLE Saiten gleichzeitig runterdrücken? Ernsthaft? Das fühlt sich an, als würde man versuchen, eine Eisenstange mit der bloßen Hand zu verbiegen. In meinem Text über den Kampf mit dem F-Dur habe ich das Elend schon mal ausführlich beschrieben.

Aber wisst ihr was? Es ist okay, wenn es scheiße klingt. Es ist okay, wenn die Saiten schnarren. Wir machen hier keine Welttournee, wir spielen in unserem Wohnzimmer. Die Erkenntnis, dass es ein Prozess ist und kein Sprint, hat mir den Druck genommen. Ich muss nicht morgen klingen wie Eric Clapton. Ich will nur diesen EINEN Song am Ende der vier Wochen spielen können.

Das Lernen zu Hause ohne Lehrer ist eine mentale Mammutaufgabe. Man hat niemanden, der einen korrigiert, aber man hat eben auch niemanden, vor dem man sich schämen muss, wenn man zum zehnten Mal den gleichen Fehler macht. Man ist sein eigener Chef — und manchmal muss man als Chef eben auch mal gnädig sein.

Vier Wochen später: Wenn aus Tönen plötzlich Musik wird

Ich bin jetzt kurz vor dem Ziel meines Experiments. Und gestern Abend passierte es: Ich habe die Akkorde gewechselt, meinen Rhythmus gehalten und plötzlich... war da ein Lied. Nicht nur Geräusche, sondern Musik. Ein Song, den man erkennen konnte. Ich saß da und hatte Gänsehaut am ganzen Körper (und immer noch rote Finger, aber das war mir in dem Moment egal).

Dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Es ist die Belohnung für all die Momente, in denen ich das Ding in die Ecke pfeffern wollte. Für den Frust, die Krämpfe und die gerissene Saite. Wenn du gerade an dem Punkt bist, an dem du denkst: "Ich lern das nie", dann versprich mir eins: Leg die Gitarre nicht weg. Atme tief durch, lass sie für heute liegen, aber nimm sie morgen wieder in die Hand.

Wenn du eine Struktur suchst, die wirklich funktioniert und dich nicht überfordert, kann ich dir den norberg Kurs wirklich ans Herz legen. Er ist schnörkellos, ehrlich und bringt dich ans Ziel, ohne dass du vorher ein Musikstudium absolvieren musst. Schau dir doch auch mal meine ehrliche Bewertung zum Kurs an, da gehe ich noch mehr ins Detail.

Ich gehe jetzt wieder üben. Mein Zeigefinger meckert zwar schon wieder, aber mein Herz feiert. Wir sehen uns beim ersten Akkord!

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