Saitenwoche

5 Gitarre üben Tipps für Anfänger: So bleibe ich in Woche 2 motiviert

Die Gitarre fühlt sich in der zweiten Woche plötzlich schwerer an als am ersten Tag. Genau diese Frage geistert mir gerade durch den Kopf, mitten in meinem öffentlichen Selbstversuch-Tagebuch zum Gitarre lernen als Erwachsene. Die üblichen Motivationstipps im Netz beantworten sie kaum ehrlich — deshalb sammle ich hier lieber die echten Anfänger-Fehler, die ich selbst mache, und was davon tatsächlich hilft, dranzubleiben.

Zwischen Euphorie und Frust liegt bei mir gerade nur ein einziger Akkordwechsel. Die Neugier vom Anfang ist weg, das Können noch lange nicht da — genau in dieser Lücke stecken die meisten, die mir aus Kommentaren und Foren schreiben. Also beantworte ich hier der Reihe nach die Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden.

Warum die Motivation ausgerechnet jetzt kippt

Der Frust in dieser Phase hat einen simplen Grund. Die ersten Tage laufen auf Adrenalin — neues Instrument, neue Griffe, jeder Ton fühlt sich nach Fortschritt an. Sobald der Reiz des Neuen verblasst, bleibt nur die Arbeit übrig: Finger, die wehtun, Akkorde, die sich stur anfühlen, und ein Song, der sich einfach nicht zusammenfügen will.

Bei mir kommt dazu, dass ich früher genau an diesem Punkt schon dreimal hingeworfen habe — offenbar bin ich talentiert im Aufgeben, wenn sonst nichts mehr klappt. Diesmal will ich wenigstens ehrlich dokumentieren, woran es hängt, statt die Gitarre stillschweigend in die Ecke zu stellen.

Wenn du schon mal aufgegeben hast

Genau das hat mich Achim aus dem Anfänger-Forum neulich in den Kommentaren gefragt — ob es überhaupt noch Sinn hat, es erneut zu probieren, wenn man schon einmal gescheitert ist. Für drei Wochen Erfahrung kennt er erstaunlich viele Akkorde, aber die Frage war trotzdem ernst gemeint.

Eine geliehene Gitarre eines Bekannten stand bei mir vor Jahren sechs Monate lang unangetastet im Zimmer, bevor ich sie zurückgebracht habe — kein einziger Ton, nur ein schlechtes Gewissen jedes Mal, wenn ich daran vorbeilief. Genau das wollte ich diesmal nicht wiederholen.

Der Unterschied ist diesmal nicht mehr Willenskraft. Es ist die Entscheidung, dass ein einzelner Song reicht — kein Repertoire, kein Vorspiel, nur dieser eine Song am Lagerfeuer. Kleine, greifbare Ziele halten bei mir länger als große Vorsätze.

Der Akkordwechsel, an dem alle hängen bleiben

Beim Wechsel von G-Dur zu D-Dur kippt bei fast jedem die Motivation. Solange die Finger den Griff noch nicht kennen, klingt der Akkord hohl und blechern, fast wie falsch gestimmt, kurz bevor er richtig sitzt.

Neulich ist mir genau bei diesem Wechsel der Song einfach weitergelaufen. Der Takt hat gehalten, obwohl ich längst nicht mehr bewusst mitgezählt habe, und erst am letzten Ton der Zeile ist mir aufgefallen, dass es tatsächlich geklappt hat.

Langsames, fast quälend langsames Üben genau dieses einen Wechsels hat mir am Ende mehr gebracht als doppelt so viele schnelle Versuche hintereinander — Tempo kommt von allein, wenn die Bewegung erstmal sitzt.

Der Versuch, den ganzen Song schon im normalen Tempo durchzuspielen, bevor dieser eine Wechsel sauber saß, ist krachend danebengegangen. Ich habe nur noch gehetzt und jeden zweiten Ton verschluckt.

Ein Plan allein reicht nicht

Ein Plan allein reicht nicht, aber ohne Plan ist es schlimmer. Meinen kompletten Vier-Wochen-Plan habe ich an anderer Stelle im Detail aufgeschrieben, hier nur so viel: Ohne die feste Struktur wäre ich vermutlich längst wieder bei den drei Fehlversuchen davor gelandet.

Was der Plan mir vor allem gibt, ist ein Ende in Sicht — ein Song, ein Ziel im Kopf, kein offenes Ende ohne Richtung. Wer nur „irgendwann besser werden" will, hat nichts, wogegen er die schlechten Tage abwägen kann.

Wunde Fingerkuppen: weitermachen oder pausieren?

Wunde Fingerkuppen gehören in dieser Phase einfach dazu. Über die Details, wie sich die Hornhaut bildet und was in der allerersten Woche am meisten wehtat, habe ich in meinem Bericht zur ersten Woche geschrieben — hier nur die Kurzversion: Die Haut gewöhnt sich, aber sie braucht ihre eigene Zeit, kein festes Datum.

Solange es nur zieht und brennt, mache ich weiter, oft sogar kürzer statt ganz zu pausieren. Sobald die Haut aufreißt oder pocht, ist für den Tag Schluss — alles andere ist Trotz, keine Disziplin.

Allein üben, ohne den Rhythmus zu verlieren

Rhythmus ist das, was beim Alleinüben am schnellsten verloren geht, weil niemand da ist, der eine schiefe Zählzeit bemerkt außer man selbst. Ein Gefühl für den eigenen Takt entwickelt sich nicht durch schnelleres Spielen, sondern durch bewusstes, fast stures Zählen, auch wenn es sich anfangs albern anfühlt.

Meine Joggingpartnerin Heidrun fragt sonntags oft genau die Fragen, auf die ich selbst noch keine Antwort habe. Neulich wollte sie wissen, warum ich beim Spielen ständig schneller werde, obwohl ich es gar nicht merke. Eine gute Frage — die ehrliche Antwort ist Nervosität. Wer Angst hat, einen Akkord zu verpassen, hetzt automatisch voran.

Was mich wirklich bei der Stange hält

Beim Spazierengehen am Cospudener See in Markkleeberg ist mir neulich aufgefallen, wie wenig die großen Vorsätze vom Anfang eigentlich zählen. Ein kleiner, hörbarer Fortschritt motiviert mich inzwischen mehr als jede gute Absicht — ein sauberer Wechsel, ein Song, der zwei Takte lang einfach lief. Das wiegt mehr als jede Liste guter Vorsätze.

Bevor ich meinen eigenen Plan gebaut habe, habe ich auch fremde Ansätze getestet, unter anderem meine Erfahrungen mit einem 14-Tage-Kurstest. Manches davon nutze ich heute noch, vieles habe ich wieder verworfen.

Ob das reicht, um in ein paar Wochen tatsächlich einen ganzen Song am Stück zu spielen, weiß ich noch nicht. Aber die Gitarre steht heute nicht mehr angewinkelt in der Ecke — sie liegt griffbereit auf dem Sofa, und das allein fühlt sich schon anders an als die drei Male davor.

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