
127 Dollar kostet der Michigit Gitarrenkurs, und genau vierzehn Tage habe ich ihm gegeben, um mir zu zeigen, ob daraus wirklich ein spielbarer Song wird. Kurze Antwort vorweg, weil ich das selbst hasse, wenn Reviews erst nach zehn Absätzen zur Sache kommen: Ja, ein einfacher Song ist in dieser Zeit drin — aber nur, wenn du bereit bist, Tempo und Reihenfolge selbst zurechtzulegen, weil der Kurs das nicht durchgehend für dich übernimmt. Genau dieser Punkt entscheidet am Ende, ob sich der Michigit Gitarrenkurs für dein Gitarre lernen lohnt oder nicht.
Kurzer Transparenz-Hinweis, bevor es weitergeht: In diesem Beitrag stecken Affiliate-Links zu den Kursen, die ich für diesen Selbstversuch getestet habe. Kaufst du darüber, bekomme ich eine Provision, du zahlst keinen Cent mehr. Ich schreibe hier nur über Kurse, die ich in den letzten zwei Wochen wirklich selbst durchgespielt habe.
Kursaufbau: Wie Michigit die ersten 14 Tage strukturiert
Michigit funktioniert wie ein lockerer YouTube-Buddy, der zufällig eine komplette Kursstruktur drangehängt hat — genau das liefert der Michigit Gitarrenkurs. Michi selbst ist locker und direkt, und dieser Ton nimmt die Hemmschwelle, die Gitarre überhaupt erst in die Hand zu nehmen. Der Kurs kostet rund 127 Dollar, und eine Ratenzahlung senkt die Einstiegshürde für alle, die schon genug Geld in ungenutzte Fitness-Abos gesteckt haben.
Der Kurs richtet sich laut Anbieter ausdrücklich an Erwachsene ab 40 — für Späteinsteigerinnen wie mich ein Pluspunkt, weil niemand mit Kinderliedern anfängt. Gleichmäßig ist das Tempo zwischen den Lektionen trotzdem nicht: In einer Einheit fühlst du dich wie ein Naturtalent, zwei Videos später wird plötzlich vorausgesetzt, dass du zwischen zwei Akkorden wechselst, als hättest du das schon hundertmal gemacht.

Wo hakt es beim Lektionstempo?
Genau an diesem Sprung bin ich hängengeblieben. Der Wechsel zu C-Dur ist für mich der größte Widerstand im ganzen Kurs — wer sich diesen Akkord ausgedacht hat, wollte offensichtlich niemandem einen Gefallen tun.
Wie man Akkordwechsel grundsätzlich übt, ist noch mal ein eigenes Thema für sich — hier geht es nur darum, wie Michigit sie einführt, und da wirkt die Reihenfolge manchmal wie gewürfelt.
Wenn dir genau das zu unstrukturiert ist, lohnt der Blick zum norberg Gitarrenkurs. Der gibt dir eine klar vorgegebene Reihenfolge vor, in der ein Schritt auf den nächsten aufbaut, statt dich mit Tempo-Sprüngen allein zu lassen. Wer schnell frustriert ist, findet dort vermutlich die verlässlichere Führung für den Einstieg.
Einen Reality-Check habe ich mir am Connewitzer Kreuz geholt, bei einem Freund, der seit drei Jahren in einer Amateurband Schlagzeug spielt. Ich hab ihm vorgespielt, was ich bis dahin konnte, und er meinte nur trocken, mein Timing sei „work in progress" — kein Trost, aber wenigstens ehrlich gemeint.
Der Preis allein sagt wenig über den Aufwand
127 Dollar für Michigit sind im Vergleich zu anderem Kram, den ich mir sonst gönne, überschaubar. Wichtiger als der Preis ist aber die Selbstorganisation, die der Kurs von dir verlangt: Es gibt keine feste Reihenfolge, die dich zwingt dranzubleiben, also brauchst du einen eigenen Plan, sonst landest du in der „mach ich morgen"-Falle.
Wer sehen will, wie sich Ausgaben rund ums Gitarrelernen über mehrere Wochen summieren, findet das in meinem Beitrag zu den Gitarre lernen Kosten — an dieser Stelle würde es hier nur vom eigentlichen Thema ablenken.

Welcher Kurs passt zu welchem Lerntyp?
Neben Michi gibt es im gleichen Preissegment den AndiTGitarre Kurs, der mit über 40 konkreten Songs auftritt und eine große YouTube-Community im Rücken hat — spannend, wenn du nicht nur ein Lagerfeuerlied willst, sondern gleich eine ganze Bibliothek.
Für alle, die feste Struktur brauchen, ist der norberg Gitarrenkurs die naheliegendere Wahl, weil das Konzept dich in vier Wochen ohne Umwege zum ersten Lied führt, statt dich zwischendrin frei schwimmen zu lassen. Wer dagegen möglichst viele Songs zur Auswahl will, landet beim AndiTGitarre Kurs, sobald die Basics sitzen. Und wer eher den lockeren WG-Ton sucht und mit unregelmäßigem Tempo klarkommt, ist beim Michigit Kurs richtig.
Kurz überlegt habe ich auch, auf E-Gitarre umzusteigen, weil die Saiten dort weicher sein sollen. Die Option wäre meineMusikschule E-Gitarre gewesen, mit einem deutlich breiteren Kursangebot als nur Akustikgitarre — allerdings auch mit spürbar mehr zusätzlicher Technik, die man sich nebenbei aneignen muss. Ich bleibe erst mal bei der Akustikgitarre, auch wenn sie mich manchmal in den Wahnsinn treibt.

Zwei Wochen ehrlich bilanzieren: was nicht funktioniert hat
Vor diesem Kurs hatte ich mich schon einmal bei einer Musikschule angemeldet — und bin nach zwei Stunden nie wieder hingegangen. Kein Vorwurf an die Schule, ich war schlicht nicht bereit für festen Unterricht mit fester Uhrzeit.
Rhythmusgefühl schleicht sich bei mir eher nebenbei ein als in einer großen Szene: Unter der Dusche habe ich neulich eine Melodie vor mich hin gesummt und den Rhythmus dazu schon auf den Fliesen mitgeklopft, lange bevor die Finger das Gleiche auf den Saiten hinbekommen haben. Wer daran arbeiten will, findet in meinem Beitrag zum Gitarre Rhythmus üben mehr dazu.
Wie sich Fingerkuppen an die Saiten gewöhnen, ist noch mal ein eigenes Kapitel, das andere ausführlicher aufgeschlüsselt haben als ich hier — bei mir hat es einfach wehgetan, und irgendwann etwas weniger.
Motivation durchzuhalten ist am Ende die eigentliche Leistung, nicht die Fingerfertigkeit. Regine Kübler, die unter meinem allerersten Tagebucheintrag als Erste kommentiert hat, schreibt mir öfter, dass sie sich lieber übers Kommentieren motiviert als übers eigene Üben — ein Move, den ich komplett nachvollziehen kann, an manchen Abenden mehr als an anderen.
Wer nach den ersten Erfolgserlebnissen sucht, findet in meiner Liste der Top 5 Gitarrenlieder für Anfänger ein paar realistische Einstiegskandidaten — „Lady in Black" zählt dazu, auch wenn es mich aktuell noch besiegt.
Michigit Erfahrungen nach 14 Tagen: Für wen sich der Kurs lohnt
Kann ich einen Song fehlerfrei von Anfang bis Ende spielen? Nein. Kann ich inzwischen so viel, dass ein wohlwollender Nachbar erkennt, welches Lied da gemeint ist? Ja, wahrscheinlich. Michigit nimmt dir die größte Hürde ab, nämlich überhaupt anzufangen — bei der Selbstorganisation danach bist du weitgehend auf dich gestellt.
Wenn du eher den knallharten „in vier Wochen zum ersten Lied"-Anspruch willst, ist norberg oben im Vergleich die naheliegendere Wahl. Wenn dir der lockere Ton wichtiger ist als eine perfekte Struktur, probier Michigit — die Ratenzahlung macht den Einstieg günstiger, als der Kurspreis vermuten lässt. Für welchen Weg du dich auch entscheidest: Fang einfach an. Die wunden Finger gehen vorbei, das Gefühl, tatsächlich Musik zu machen, bleibt.