Saitenwoche

Gitarrensaiten wechseln für Anfänger: Warum ich solche Angst vor dem Riss habe

Ich starre diese Saiten an. Sie sind nicht mehr silbern und glänzend, sondern stumpf, gräulich und fühlen sich irgendwie klebrig an. Wenn ich sie zupfe, klingen sie wie ein nasser Pappkarton — völlig leblos. Ich weiß, dass sie runter müssen, aber mein ganzer Körper wehrt sich dagegen.

Kurzer Hinweis vorab: In diesem Text stecken Affiliate-Links. Wenn du darüber einen Kurs buchst, erhalte ich eine kleine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich empfehle hier nur Dinge wie den norberg-Kurs, den ich in meinem eigenen 4-Wochen-Projekt wirklich nutze, um endlich spielen zu lernen.

Das Monster auf meinem Schoß

Es ist Anfang der zweiten Woche meiner persönlichen Vier-Wochen-Challenge und ich habe eine Heidenangst. Als Grafikerin brauche ich meine Augen — und in meinem Kopf ist die hohe E-Saite eine ferngesteuerte Rakete, die nur darauf wartet, beim Spannen zu reißen und mein Gesicht zu peitschen. Völlig irrational? Vielleicht. Aber wenn man weiß, dass diese Stahlsaiten eine Zugkraft von etwa 70 bis 80 Kilogramm auf den Steg ausüben, fühlt sich die Gitarre plötzlich wie ein geladenes Sportgerät an.

Nahaufnahme von Händen, die eine Gitarrensaite vorsichtig in die Mechanik einfädeln.

Ich erinnere mich an einen schwülen Nachmittag im letzten Juli — da wollte ich es schon mal wissen und bin kläglich gescheitert. Gestern Abend saß ich nun wieder da, umgeben von Werkzeug, das ich kaum verstehe. Der metallische Geruch von altem Nickel klebt an meinen Fingern. Ich merke, wie meine Schultern langsam bis zu den Ohrläppchen wandern. Jedes Mal, wenn der Wirbel ein winziges Knarzen von sich gibt, halte ich die Luft an. Es ist dieses Geräusch kurz vor dem Knall, das ich in meinen Träumen höre.

Zittrige Hände und der Kampf mit der Mechanik

Besonders schwierig ist es, wenn die Feinmotorik nicht so will wie der Kopf. Ich neige dazu, bei Stress ein leichtes Zittern in den Fingern zu bekommen. Standardanleitungen sagen immer: "Einfach locker drehen". Ja, danke für nichts. Wenn die Hand zittert, wird das Dosieren der Spannung zum russischen Roulette. Ich habe gemerkt, dass es hilft, die Gitarre flach auf den Küchentisch zu legen, statt sie im Schoß zu halten — das gibt meinen Unterarmen Stabilität.

Trotzdem passierte es: Ich habe die A-Saite aus Versehen falsch herum um den Wirbel gewickelt. Ein totales Durcheinander, ein Metall-Salat, den ich mit zittrigen Händen wieder aufdröseln musste. In diesem Moment dachte ich nur: Wenn ich nicht mal eine Saite wechseln kann, ohne eine Panikattacke zu bekommen, wie soll ich dann in zwei Wochen einen ganzen Song spielen? Aber Aufgeben ist diesmal keine Option. Ich will diesen hellen Klang, den mir der norberg Gitarrenkurs verspricht, wenn die Hardware endlich stimmt.

Detailansicht des Stegs einer Akustikgitarre mit frisch aufgezogenen Metallsaiten.

Der Trick mit dem Respekt statt der Panik

Nach etwa zehn Tagen Training merke ich: Der norberg-Plan funktioniert nur, wenn ich mein Instrument respektiere, statt es zu fürchten. Der Kurs ist seit 11,5 Jahren auf dem Markt und hat eine Stornoquote von gerade mal 0,44 % — das sind Zahlen, die mir als Zahlen-Junkie irgendwie Sicherheit geben. Wenn so viele Leute das geschafft haben, dann können die Saiten mich nicht besiegen. Ich habe gelernt, dass man die Saiten nach dem Aufziehen vorsichtig dehnen muss, damit sie die Stimmung halten. Ein gruseliger Moment, aber notwendig.

Ein kurzer Pieks erinnerte mich an die Realität: Das dünne Ende der E-Saite hat mir einen winzigen Blutstropfen aus der Zeigefingerkuppe gelockt. Ein rituelles Opfer für die Musikgötter, sozusagen. Falls du auch so unsicher bist wie ich, schau dir mal meine Tipps zum Gitarre richtig stimmen an, denn nach dem Wechseln fängt der Spaß erst richtig an.

Der erste helle Akkord

Als die 6 neuen Saiten endlich drauf waren, fühlte ich mich, als hätte ich einen Marathon hinter mir. Ich habe sie auf die Standardstimmung E2-A2-D3-G3-B3-E4 gebracht, immer wieder nachgedehnt und dann... der erste G-Dur-Akkord. WOW. Dieser kristallklare, schimmernde Sound ist mit den alten Drähten nicht zu vergleichen. Die Angst war im Nachhinein viel größer als die eigentliche Aufgabe.

Ein Notizbuch mit Skizzen zum Saitenwechsel und ein Plektrum auf dem Tisch.

Es ist okay, wenn die Hände zittern oder man sich dumm anstellt. Wichtig ist nur, dass man es macht. Wer sich nicht allein traut, findet im norberg Kurs genau die Struktur, die man als blutiger Anfänger braucht, um nicht im Chaos zu versinken. Jetzt klingen meine Lagerfeuer-Akkorde endlich so, wie sie sollen — und meine Fingerkuppen gewöhnen sich auch langsam an den frischen Stahl. Weiter geht's, Woche 3 wartet schon!

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