
Es ist spät an einem Donnerstagabend in meiner Leipziger Wohnung. Draußen ist es noch warm, die Fenster stehen offen, und ich starre fassungslos auf meine linke Hand. Sie sieht aus wie eine Klaue. Eine sehr langsame, ungeschickte Klaue, die versucht, von einem G-Dur zu einem D-Dur zu wechseln, als müsste sie dabei tonnenschwere Möbel durch einen zu schmalen Türrahmen wuchten. Drei Sekunden Pause. Mindestens. In der Welt der Musik ist das eine Ewigkeit. Es ist der Sound einer Katastrophe.
Kurz vorab ein kleiner Transparenz-Check: In diesem Text stecken Affiliate-Links. Wenn du über diese Links einen Kurs buchst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis absolut gar nichts — kein Cent extra. Ich verlinke hier nur die Sachen, die ich in meinem vierwöchigen Selbstversuch wirklich selbst benutze und an denen ich mir (wortwörtlich) die Finger wund arbeite.
Späte Abende und steife Finger: Mein Kampf mit der Mechanik
Ich bin jetzt tief drin in meinem Projekt „Gitarre in vier Wochen“. Während der norberg Gitarrenkurs mein treues Rückgrat ist, wenn es um die Grundlagen geht, habe ich gemerkt: Ich brauche mehr Song-Energie. Ich brauche dieses Gefühl, dass das, was ich da mache, wirklich nach Musik klingt und nicht nur nach einer Aneinanderreihung von Unfällen. Deshalb habe ich mir den Michigit Kurs dazugeholt. Der Kurs wird von einem bekannten deutschen YouTuber geleitet und die Inhalte werden bereits seit 2015 gepflegt — das merkt man, es ist alles sehr bodenständig und „echt“.
Aber der Wechsel. Oh Gott, dieser Wechsel. Mein Zeigefinger brennt. Da ist diese stechende Hitze in der Fingerspitze, nachdem ich eine Stunde lang versucht habe, den C-Dur-Akkord sauber zu greifen. Es fühlt sich an, als würde die Saite direkt in den Knochen schneiden. Wer hat eigentlich behauptet, dass das Spaß macht? Ach ja, ich. Vor zwei Wochen.

Wenn ich tagsüber in der Agentur sitze und versuche, mit der Maus ein Logo in Illustrator zu verschieben, klebt dieser scharfe, metallische Geruch der Stahlsaiten immer noch an meiner Haut. Ein ständiger Reminder an mein Versagen vom Vorabend. Oder an meinen Fortschritt? Je nachdem, wie viel Kaffee ich schon hatte. Ich habe gelernt, dass eine Standard-Gitarre 6 Saiten hat, aber momentan fühlt es sich eher so an, als wären es sechs kleine Rasierklingen, die nur darauf warten, meine ohnehin schon weichen Grafiker-Hände zu malträtieren.
Warum Michigit? YouTube-Vibes im Wohnzimmer
Ich habe mich für den Michigit Kurs entschieden, weil er diese „Wohnzimmer-Atmosphäre“ hat. Es fühlt sich nicht nach strengem Musikunterricht an, sondern eher so, als würde ein Kumpel neben einem auf dem Sofa sitzen und sagen: „Guck mal, so geht das.“ Das Tempo und der Stil springen zwar manchmal ein bisschen zwischen den Lektionen hin und her, aber genau das hält mich irgendwie wach. Es ist weniger klinisch als andere Kurse.
Besonders die Song-Bibliothek hat es mir angetan. Da sind über 40 Songs zum Nachspielen drin. Das ist genau das, was ich brauche, wenn ich merke, dass ich bei den reinen Trockenübungen innerlich wegdöse. Wenn man direkt an einem echten Lied arbeitet, verzeiht man sich die unsauberen Töne eher — oder man merkt sie gar nicht, weil man so damit beschäftigt ist, den Rhythmus zu halten. Falls du auch gerade am Anfang stehst, schau dir mal meine Top 5 Songs für Anfänger an, da sind ein paar echte Motivations-Booster dabei.

Was ich an Michigit mag: Die Ratenzahlung. Als Grafikerin muss ich mein Budget immer ein bisschen im Auge behalten, und die niedrige Einstiegshürde hat mir die Entscheidung echt erleichtert. Es ist kein riesiges Investment auf einmal, sondern fühlt sich eher wie ein kleines Abo für mein neues Hobby an. Wer es lieber klassisch und extrem strukturiert mag, sollte sich vielleicht eher meine Eindrücke zum Norberg Kurs durchlesen, der ist mein Fels in der Brandung, wenn Michigit mir mal zu „sprunghaft“ wird.
Der Trick mit der gewollten Unsauberkeit
Hier kommt jetzt mein absoluter Gamechanger-Moment. Ich nenne ihn den „Mut zur Lücke“. In den ersten zehn Tagen habe ich versucht, jeden Akkord perfekt zu greifen, bevor ich zum nächsten gewechselt bin. Das Ergebnis? Ich habe nie flüssig gespielt. Nie.
Mein neuer Ansatz: Ich erzwinge den Wechsel, egal wie unsauber er klingt. Anstatt zu warten, bis jeder Finger perfekt auf der Saite liegt, ziehe ich den Rhythmus einfach durch. Wenn es scheppert? Egal. Wenn eine Saite gedämpft ist? Auch egal. Mein Gehirn muss lernen, die Fingerpositionen zu antizipieren. Wenn ich den Übergang erzwinge, merkt mein Unterbewusstsein irgendwann: „Hoppla, wir müssen schneller werden, sonst klingt das wie ein sterbender Schwan.“
Es ist fast wie beim Layouten: Erstmal das Grobraster setzen, die Details kommen später. Wenn man sich zu früh in den Details verliert, wird das Gesamtbild nie fertig. Auf die Gitarre übertragen heißt das: Der Rhythmus ist das Raster, die sauberen Töne sind die Feinheiten. Wer immer nur wie ein Roboter klingt, verliert den Spaß. Schau dir dazu auch unbedingt meine Tipps zum Thema Rhythmus üben ohne Roboter-Sound an.
Wenn der „Klick“ im Kopf passiert
Mitte Juli gab es diesen einen Moment. Ich saß wieder mal da, die Fingerkuppen rot und brennend, und plötzlich — ich weiß nicht wie — hat es bei einem Song von Michigit einfach „Klick“ gemacht. Der Wechsel von G nach D war nicht mehr dieses Möbelrücken. Es war eher wie ein kleiner Hüpfer. Nicht perfekt, sicher nicht konzertreif, aber es war Musik.
Ich habe gemerkt, dass die über 40 Songs im Kurs nicht dazu da sind, dass man sie alle perfekt beherrscht. Sie sind wie ein Buffet. Man pickt sich das raus, was gerade zur eigenen Stimmung passt. Manchmal brauche ich etwas Melancholisches, manchmal etwas zum Mitwippen. Michigit liefert diesen YouTube-Vibe, den ich so schätze, direkt in mein Wohnzimmer. Es ist weniger Theorie, mehr Machen.

Natürlich gibt es auch Momente, in denen ich alles hinschmeißen will. Letzten Dienstag zum Beispiel, als gar nichts ging und ich das Gefühl hatte, meine Hände bestünden aus gefrorenem Fisch. In solchen Momenten hilft nur: Gitarre weglegen, Tee trinken und sich daran erinnern, dass selbst die Profis mal so angefangen haben. Oder man wechselt mal kurz das Genre. Ich habe auch kurz in den Kurs von meineMusikschule reingeschaut, nur um mal zu sehen, wie die E-Gitarren-Leute das machen — aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.
Mein Fazit nach der harten Phase
Ich bin keine Musikerin. Ich bin immer noch Marlene, die Grafikerin, die manchmal flucht, wenn die Gitarrenstimmung nach zehn Minuten schon wieder nicht passt. Aber ich ziehe es durch. Die vier Wochen sind fast um, und ich kann tatsächlich einen Song am Stück spielen, ohne dass mein Gehirn zwischendurch einen Neustart braucht.
Der Michigit Gitarrenkurs war für diesen speziellen Kick genau richtig. Er hat mir den Druck genommen, perfekt sein zu müssen, und mir stattdessen gezeigt, wie man einfach spielt. Wenn du auch diesen „Schubs“ weg von der grauen Theorie hin zum echten Song brauchst, kann ich dir nur raten: Trau dich an die unsauberen Wechsel. Quäl deine Finger ein bisschen (sie gewöhnen sich dran, versprochen!) und hol dir die YouTube-Lockerheit nach Hause.
Vielleicht sehen wir uns ja demnächst beim gemeinsamen Virtuellen-Lagerfeuer-Scheppern. Ich bin die, deren G-Dur noch ein bisschen schief klingt, die aber dabei das breiteste Grinsen im Gesicht hat.