
Es ist weit nach Mitternacht in meiner kleinen Wohnung in Leipzig-Plagwitz. Ich hocke auf dem Parkett, mein Rücken lehnt an der Heizung, und ich starre sie an: meine schwarze Squier. Sie sieht mich fast schon vorwurfsvoll an, unter einer dünnen Schicht aus Staub und dem schlechten Gewissen von drei — ja, DREI — gescheiterten Anläufen in den letzten Jahren.
Kurz vorab: Ich schreibe das hier alles auf, damit ich dieses Mal nicht wieder nach zehn Tagen das Handtuch werfe. Wenn du über meine Links hier einen Kurs kaufst, erhalte ich eine Provision — für dich kostet das keinen Cent mehr. Ich verlinke nur das, was ich in diesem wahnsinnigen 4-Wochen-Selbstversuch gerade wirklich beackere.
Das Projekt: Vier Wochen, ein Song, keine Ausreden
Ich bin Marlene, 38, Grafikerin. Mein Alltag besteht aus Pixeln, Deadlines und dem Chaos einer alleinerziehenden Mutter, die versucht, zwischen Schichtdienst-ähnlichen Arbeitszeiten und dem Elternabend nicht den Verstand zu verlieren. Ich bin keine Musikerin. Ich kann Noten nicht von Kaffeeflecken unterscheiden. Aber ich will diesen einen Song spielen können. Einmal im Leben Rock 'n' Roll im Wohnzimmer, statt nur Luftgitarre beim Staubsaugen.
Anfang März habe ich den Entschluss gefasst: Ein Monat. Jeden Tag üben. Egal wie sehr die Finger brennen. Mein Ziel war klar: Ich brauche Struktur. Also habe ich mich bei der großen meineMusikschule E-Gitarre angemeldet. Klingt professionell, oder? Die haben alles: Akustik, Bass, E-Gitarre. Ein riesiges Buffet an Wissen.
Warum meineMusikschule mein persönlicher Endgegner wurde
Das Problem ist nicht der Inhalt. Das Problem bin ICH — und das System. Kennst du das, wenn du in ein Fitnessstudio gehst und vor 500 Geräten stehst und keine Ahnung hast, wo du anfangen sollst? Genau so fühlte ich mich dort. Das Abo-Modell kostet etwa 253 Dollar. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass mein schlechtes Gewissen mit jedem Tag wächst, an dem ich NICHT einlogge.
„Marlene, wenn du dieses Abo jetzt weiterlaufen lässt, ohne zu üben, zahlst du mehr für dein schlechtes Gewissen als für deine Grafik-Software“, dachte ich mir an einem verregneten Dienstagabend im April. Ich hatte mich mal wieder hoffnungslos im Dashboard verlaufen. Eigentlich wollte ich nur wissen, wie ich die Finger beim G-Dur sortiere, und plötzlich landete ich in einem Video für Jazz-Improvisation für Fortgeschrittene. Ich saß da, starrte den Lehrer an und fühlte mich so klein wie eine einzelne Saite.
Für jemanden wie mich, deren Zeitplan durch unvorhersehbare Kita-Ausfälle oder nächtliche Grafik-Korrekturschleifen ständig explodiert, ist dieses „Such dir was aus“-Prinzip der Endgegner. Die Rückerstattungsquote bei meineMusikschule liegt bei 3,45 % — was im Vergleich zu anderen Kursen echt hoch ist. Ich verstehe jetzt, warum. Wenn man den roten Faden verliert, verliert man die Lust.
Der radikale Wechsel: Weniger ist MEHR
Nach der ersten Woche voller Hornhaut-Frust und dem Gefühl, vor einem Mount Everest an Lektionen zu stehen, habe ich die Reißleine gezogen. Ich brauchte keinen Rundum-Sorglos-Abo-Dienst. Ich brauchte einen Plan, der mich an die Hand nimmt und sagt: „Marlene, mach heute das, morgen das, und in vier Wochen spielst du.“
Ich bin dann beim norberg Gitarrenkurs gelandet. Der kostet 165 Dollar — einmalig. Keine Abo-Falle, die im Hintergrund mein Konto leerlutscht, während ich versuche, ein krankes Kind zu trösten. Was mich fasziniert hat: Die Stornoquote liegt dort bei nur 0,44 %. Das heißt, fast jeder, der anfängt, bleibt dabei. Seit 11,5 Jahren sind die auf dem Markt. Das ist in der Internet-Zeitrechnung ja fast schon Steinzeit-Beständigkeit.
Der Fokus ist hier ganz anders: In vier Wochen zum ersten Lied. Punkt. Keine Jazz-Ausflüge, kein Schnickschnack. Genau das, was mein Gehirn nach acht Stunden Photoshop braucht. Wer mehr Details zu meinem Plan wissen will, kann hier nachlesen: Gitarre lernen als Erwachsener: Mein Plan für das 4-Wochen-Experiment.
Das dumpfe Pochen und die metallischen Finger
Reden wir über den Schmerz. Meine Fingerkuppen fühlen sich an, als hätte ich sie in kochendes Wasser getaucht und danach über Schmirgelpapier gezogen. E-Gitarrensaiten bestehen meist aus vernickeltem Stahl — und sie riechen auch so. Wenn ich nach einer Stunde Üben versuche, meine Kaffeetasse zu halten, spüre ich dieses dumpfe Pochen in den Fingerkuppen. Es ist ein ehrlicher Schmerz, aber er ist da.
Besonders fies ist die „Saitenlage“. Das ist der Abstand zwischen Saite und Bundstäbchen. Wenn die zu hoch ist, musst du drücken wie eine Ochsin. Meine Squier war zum Glück halbwegs okay eingestellt, aber trotzdem: Jeder Akkord ist ein kleiner Kampf gegen die eigene Feinmotorik. Wer wissen will, wie ich Woche 1 überlebt habe: Tag 7: Warum tun meine Finger so weh? Mein ehrlicher Start mit dem norberg Kurs.
Der Moment, in dem alles klickte
Gestern Abend war es dann soweit. Ich saß in der Küche, die Reste des Abendessens noch auf dem Tisch, und habe zum hundertsten Mal den A-Moll-Akkord gegriffen. Und plötzlich: Kein Schnarren. Keine dämpfende Nachbarsaite. Ein klarer, voller Klang. Ich habe ein unkontrolliertes Grinsen im Gesicht gehabt und bin tatsächlich kurz durch die Küche gesprungen. Ein kleiner Freudensprung zwischen Spülmaschine und Kühlschrank.
Das ist der Unterschied. Bei meineMusikschule hätte ich wahrscheinlich noch drei Theorie-Videos über die Quinte schauen müssen, bevor ich diesen Moment gefeiert hätte. Bei norberg war ich einfach nur froh, dass der Sound stimmte. Manchmal ist man als Anfänger einfach überfordert von zu viel Auswahl. Wenn man im Schichtdienst arbeitet oder Kinder hat, ist Vorhersehbarkeit Luxus. Und norberg gibt mir diesen Luxus der Einfachheit.
Fazit nach der Hälfte der Zeit
Ich bin noch nicht Eric Clapton. Werde ich wahrscheinlich auch nie. Aber ich bin weiter als bei den letzten drei Versuchen zusammen. Der Wechsel weg vom „Endgegner“ Abo-Modell hin zu einem klaren 4-Wochen-Ziel war die beste Entscheidung.
Falls du auch so ein „Ich fang mal an und breche dann ab“-Typ bist: Überleg dir gut, ob du ein riesiges Portal wie meineMusikschule wirklich bändigen kannst, oder ob du nicht lieber mit etwas Kompakterem wie dem norberg Kurs startest. Für mich war die Schlichtheit der Retter in der Not.
Meine Finger brennen immer noch, aber das Pochen fühlt sich jetzt weniger nach Scheitern und mehr nach Fortschritt an. Wir sehen uns in zwei Wochen — hoffentlich mit dem ersten kompletten Song!