Saitenwoche

Bester Online Gitarrenkurs Test: Warum ich mich für AndiT entschieden habe

Ein Kurs nimmt dich an die Hand, der andere wirft dir ein Video nach dem nächsten hin, bis du gar nicht mehr weißt, welchen Griff auf der Gitarre du als Nächstes üben wolltest. Genau zwischen diesen beiden Polen hat sich mein kleiner Gitarrenkurs-Test abgespielt — mein ganz persönlicher Selbstversuch als erwachsene Anfängerin, die einfach nur einen Song ordentlich hinbekommen wollte. Mehrere Angebote angeschaut, am Ende bei AndiT Gitarre gelandet — und genau darüber will ich hier ehrlich schreiben, auch über die Kurse, die es nicht wurden.

Kurzer Punkt vorweg, weil Transparenz hier Pflicht ist: Dieser Text enthält Affiliate-Links zu norberg, Michigit, meineMusikschule und AndiT. Bucht jemand darüber einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Getestet habe ich trotzdem nur das, was tatsächlich auf meinem Küchentisch gelandet ist.

Mein Gitarrenkurs-Test: norberg, Michigit und meineMusikschule im Vergleich

Angefangen habe ich mit einer simplen Excel-Tabelle im Kopf, wenig überraschend für eine Grafikerin, die selbst ihre Wocheneinkäufe in Spalten sortiert. Der norberg Gitarrenkurs verspricht einen fertigen Song in vier Wochen und kostet $165 — auf dem Papier fast zu gut, um wahr zu sein. Genau das hat mich stutzig gemacht: Bei einem spontanen vierten Anlauf wollte ich nicht gleich so tief ins Portemonnaie greifen.

Beim Michigit Gitarrenkurs für $127 war es eher das Bauchgefühl, das gebremst hat. Sympathisch, lockere YouTube-Vibes, aber das Tempo sprang mir irgendwie zu sehr zwischen den Lektionen hin und her: Mein Kopf braucht eine klare Reihenfolge, keine Achterbahn. Wie sich das im Alltag anfühlt, habe ich separat aufgeschrieben, in meinen Michigit Gitarrenkurs Erfahrungen.

Am meisten abgeschreckt hat mich das Abo-Modell von meineMusikschule E-Gitarre für $253. Nicht wegen des Preises allein, sondern weil im Hintergrund einfach weiterläuft, was ich vielleicht längst vergessen habe. Ich zahle lieber einmal und habe dann meine Ruhe, auch wenn mal eine ganze Woche lang nur die Gitarre an der Heizung lehnt statt in meinen Händen zu liegen.

Warum gewinnt AndiT trotzdem?

Dieter Raasch, ein Leser, der mir seit einer Weile regelmäßig schreibt, wollte kürzlich genau das wissen: Andi oder norberg? Seine Mails sind immer kurz, ohne Floskeln, direkt auf den Punkt: dieselbe Frage, die ich mir selbst gestellt hatte, bevor ich mich für den AndiTGitarre Nr.1 Gitarrenkurs entschieden habe.

Zwei Dinge haben für mich den Ausschlag gegeben, nicht der Preis. Andi hat über 16.000 Abonnenten auf YouTube, was für mich als Grafikerin ein Vertrauensanker ist — wer so vielen Leuten etwas erklärt, ohne dass sie nach fünf Minuten wegklicken, macht offenbar etwas richtig. Und der Kurs arbeitet über 40 Songs konkret durch, verteilt auf 17 Lektionen. Mein Ziel war ein einziger Song am Lagerfeuer. Hier bekomme ich Material für vierzig davon, was sich nach einem Deal anfühlt, bei dem selbst ich nicht scheitern kann.

Struktur schlägt Motivation, wenn die Finger wehtun

Bevor ich bei AndiT gelandet bin, habe ich es kurz mit Notenlesen aus einem ziemlich dicken Lehrbuch versucht. Nach Seite zwölf habe ich aufgegeben, weil mir schlicht der Zusammenhang fehlte. Das war keine Frage von Talent, sondern von fehlender Ordnung im Kopf. Ein Kurs, der zeigt, warum ein Griff zum nächsten führt, schlägt ein Lehrbuch, das nur Symbole erklärt, jedes Mal.

Gestern Abend, mitten in einer Lektion am Küchentisch, ist mir zum ersten Mal ein ganzer Takt ohne Schnarren gelungen, und ich habe für einen Moment wirklich die Luft angehalten. Kein großer Auftritt, kein Publikum, nur ich, die Saiten und ein Akkordwechsel, der zum ersten Mal nicht schepperte.

Am Akkordwechsel und Rhythmus feile ich weiter

In meiner Altbauwohnung in der Südvorstadt übe ich mittlerweile öfter auf dem Übungssofa als am Schreibtisch nebenan, wo sonst meine Entwürfe entstehen. Der Dielenboden knarrt bei jedem Schritt, die Gitarre lehnt in den Pausen an der Heizung, und durchs Fenster sehe ich nur die begrünte Mauer im Hinterhof, kaum Ablenkung, nur ich und die Übung.

Ohne einen klaren Plan für den Einstieg verliert man die Motivation schneller, als man denkt; wer nach einem festen Vier-Wochen-Rahmen übt statt planlos drauflos, bleibt eher dran, dazu habe ich an anderer Stelle mehr geschrieben. Auch die erste zarte Hornhaut an den Fingerkuppen, die sich nach den ersten Übungseinheiten bildet, habe ich separat festgehalten, in Tag 7: Warum tun meine Finger so weh?, für alle, die gerade an genau diesem Punkt verzweifeln. Der Wechsel zwischen zwei Akkorden und ein sauberes Rhythmusgefühl sind für mich nach wie vor die größte Hürde, aber auch das würde hier den Rahmen sprengen.

AndiT oder norberg: Für wen sich was lohnt

Am Ende bleibt die Frage, die auch Dieter mir gestellt hat: für wen lohnt sich was? Wer schnell anfangen will, ohne viel Kapital reinzustecken, und bereit ist, sich mit weniger bekannten Content-Häppchen durchzuschlagen, ist beim AndiTGitarre Nr.1 Gitarrenkurs gut aufgehoben, vor allem wenn dir echte Songs wichtiger sind als Musiktheorie. Wer dagegen ein etabliertes System mit breiter Songauswahl will und die $165 nicht schrecken, sollte sich eher den norberg Gitarrenkurs ansehen. Michigit passt eher zu Leuten, die YouTube-Charme mögen und mit Ratenzahlung planen, meineMusikschule eher zu denen, die sowieso schon andere Instrumente über ein Abo lernen wollen.

Falls du selbst gerade vor einer verstaubten Gitarre sitzt und nicht weißt, wo du anfangen sollst: Schau dir in Ruhe an, was zu deinem Kopf passt, nicht nur, was am billigsten ist. Frauke, mit der ich seit Jahren im Grafikdesign-Umfeld unterwegs bin, hat auf mein letztes Übungsvideo nur mit einem stillen Daumen-hoch geantwortet, kein Kommentar, wie immer, aber ich übe heute Abend trotzdem weiter am nächsten Song aus der Liste. Und wer weiß, vielleicht schaffe ich es diesen Sommer wirklich bis ans Lagerfeuer.

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