
Seite zwölf. Weiter bin ich mit dem dicken Lehrbuch nie gekommen, das mir erst Noten beibringen wollte, bevor überhaupt ein Akkord sauber saß. Theorie zuerst, dachte ich, dann die Praxis – wie in der Schule. Nach zwölf Seiten Notenlinien und Erklärungen zu Tonarten hab ich das Ding zugeklappt und nie wieder angerührt. Gitarre lernen neben dem Beruf heißt offenbar: nicht so, wie es die Bücher für Anfänger versprechen.
Kurzer Einschub, bevor es weitergeht: Hier stecken Affiliate-Links zu Kursen, die ich selbst genutzt habe – kaufst du darüber, bekomme ich eine Provision, für dich ändert sich nichts am Preis. Es geht um einen ehrlichen Selbstversuch mit Zeitmanagement für den Alltag, keine Bestenliste.
Sonntagsblock oder Fünfzehn-Minuten-Regel: mein Zeitmanagement im Test
Vor ein paar Wochen hat mir Dieter Raasch geschrieben, ein Leser, der öfter mailt und selbst mitten in seinem zweiten Anlauf mit der Gitarre steckt – Mitte fünfzig, viel Betrieb im Job, trotzdem drangeblieben.
Er übt sonntags, dafür in einem einzigen langen Rutsch, wenn die Woche es zulässt. Den Rest der Woche bleibt die Gitarre meist stehen. Seinen Fortschritt vergleicht er gern mit meinem, aber ohne jeden Konkurrenzgedanken – eher so, als würden wir im selben Tempo laufen, nur in getrennten Wohnzimmern.

Der lange Sonntagnachmittag – und warum er bei mir nicht funktionieren würde
Bei mir würde das nicht funktionieren. Nach einem Tag mit Kundenkorrektionen und Layout-Deadlines ist mein Kopf abends oft nur noch Restenergie, und zwei Stunden am Stück konzentriert an einem Instrument sitzen schaffe ich selbst am Wochenende nicht zuverlässig.
Einmal hab ich es trotzdem versucht – Samstagnachmittag, Handy aus, Tür zu. Fertiger als nach einem ganzen Bürotag war ich trotzdem, noch bevor draußen die Sonne unterging.
Mein Alltag sieht anders aus: Der norberg Gitarrenkurs, mit dem ich seit einer Weile übe, ist eigentlich auf einen Vier-Wochen-Plan ausgelegt – sobald aber Job und Alltag dazwischenfunken, schrumpft der in der Praxis auf fünfzehn Minuten am Tag zusammen, und er funktioniert trotzdem. Der Fokus beim norberg Kurs liegt aufs Spielen, nicht aufs Auswendiglernen von Tonleitern, die ich sowieso wieder vergessen würde.
Es gibt durchaus Alternativen mit größerer Songauswahl – der AndiTGitarre Nr.1 Gitarrenkurs bietet zum Beispiel mehr Songs zur Auswahl, falls dir Abwechslung wichtiger ist als Tempo. Mir persönlich hat der schmalere Fokus besser gepasst.
Warum kurze Einheiten trotzdem mehr bringen
Der Unterschied liegt nicht an Talent oder Disziplin, sondern am Rhythmus der Wiederholung. Tägliches Üben von fünfzehn bis zwanzig Minuten bringt Anfängern mehr als seltene, lange Einheiten – das hab ich am eigenen Handgelenk gemerkt, nicht nur irgendwo gelesen. Das eigentliche Rhythmusgefühl kommt sowieso erst mit der Zeit und verdient einen eigenen Text für sich.
Meine Version davon sieht simpler aus: Zwischen den Einheiten lehnt die Gitarre einfach an der Heizung, keine drei Schritte von meinem Schreibtisch mit den zwei Bildschirmen entfernt. Sobald eine Datei hochlädt oder ein Kunde in der Warteschleife hängt, greif ich kurz rüber. Der alte Dielenboden knarrt dabei fast immer an derselben Stelle, und durchs Fenster sehe ich nur die grüne Hinterhofmauer im Hof.
Manchmal rutscht mein Finger beim Greifen über die Wicklung der G-Saite, und das metallische Fiepen dabei fühlt sich an, als würde die Saite sich über meine Technik beschweren. Die Wechsel zwischen den Akkorden selbst sind noch mal ein eigenes Thema, für das ich woanders mehr Platz gelassen habe.
Kleine Umwege, die trotzdem dazugehören
Am Zeigefinger zeigt sich inzwischen eine kleine Hornhaut, die sich beim Streichen über die Saiten anders anfühlt als noch vor einiger Zeit – nicht mehr wund, einfach nur da. Was an den Fingerkuppen sonst noch hilft und was eher Mythos ist, hab ich an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben.
Frauke, die das beim letzten Kaffee bemerkt hat, meinte nur trocken, das sei jetzt wohl der Beweis, dass ich wirklich übe und nicht nur davon rede. Kein Mitleid, keine Feier – einfach nur diese trockene Art, die sie hat.

Neulich wollte ich unbedingt ein kompliziertes Tutorial auf Youtube nachspielen, weil ich mich für weiter hielt, als ich tatsächlich bin. Nach einer Weile voller Frust fiel mir auf: Die Gitarre war nicht mal ordentlich auf E-Standard gestimmt.
Klassisch.
Wie man motiviert bleibt, wenn der Alltag ständig dazwischenfunkt, ist noch mal eine andere Geschichte, die an anderer Stelle mehr Raum verdient.
Welcher Rhythmus passt zu deinem Alltag?
Wer sein Zeitfenster gut schützen kann und wirklich nur einen festen Termin pro Woche freihält, für den ist so ein Sonntagsblock eine ehrliche Option – vorausgesetzt, er fällt nicht ständig wegen Überstunden aus. Wer dagegen einen Alltag hat, der sich in keinen festen Block pressen lässt, fährt mit kurzen, täglichen Einheiten besser, selbst wenn fünfzehn Minuten lächerlich kurz klingen. Lieber jeden Tag ein bisschen als einmal die Woche viel – zumindest, solange die Finger noch lernen, wo die Bünde sind.
Konkrete Zahlen dazu, was das Ganze am Ende kostet, finden sich in meinem Artikel zu Gitarre lernen Kosten. Und wer wissen will, wie sich der Kurs über längere Zeit anfühlt, liest meine ehrliche Norberg Gitarrenkurs Bewertung.
Falls du selbst gerade überlegst, wie du Gitarre lernen neben dem Beruf unterbringen sollst: Der norberg Gitarrenkurs ist der Rahmen, an dem ich das bei mir festgemacht habe – nicht, weil er perfekt ist, sondern weil er zu fünfzehn Minuten zwischen zwei Meetings passt.