Saitenwoche

Gitarre lernen ohne Noten: Warum Tabs für mich als Anfängerin besser sind

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Notenlinien und Tabulaturen wollen im Kern dasselbe: dir zeigen, wo die Finger hinsollen. Nur nimmt die eine den Umweg über ein komplettes Notensystem, die andere zeigt direkt aufs Griffbrett. Für mich als Grafikerin, die beim Gitarre lernen eigentlich nur schnell zu einem Song wollte, war genau das der Unterschied zwischen Aufgeben und Drandbleiben.

Vor diesem Anlauf hatte ich mir eine Gitarre geliehen, die dann satte sechs Monate lang einfach nur im Zimmer stand – unangefasst, mit gutem Gewissen jedes Mal daran vorbeigelaufen. „Irgendwann fang ich mit Noten an", hab ich mir gesagt. Irgendwann kam nie.

Fakten-Check vorab: Ein paar Links hier führen zu Kursen, die ich für mein Vier-Wochen-Vorhaben tatsächlich selbst genutzt habe. Das Konzept hinter so einem Plan ist noch mal ein eigenes Thema, dazu gibt's an anderer Stelle mehr Details.

Tabs oder Noten: Was für Anfänger wirklich zählt

Fünf Linien bilden das klassische Notensystem – meine Gitarre hat aber sechs Saiten. Schon an dieser Stelle beginnt die Übersetzungsarbeit: eine Note auf dem Papier finden, den Ton benennen, den Ton dann auf dem Griffbrett suchen, wo es dafür gleich mehrere Stellen gibt. Für ein Grafiker-Hirn, das in Rastern denkt, ist das ein Umweg mit drei Zwischenstopps.

Tabulaturen überspringen diesen Umweg komplett. Sechs Linien für sechs Saiten, eine Zahl für den Bund – fertig. Als Tipp für Anfänger würde ich sagen: Wer in den ersten Wochen möglichst schnell einen ganzen Song durchspielen will, kommt mit Tabs spürbar schneller ans Ziel. Wer dagegen klassischen Unterricht anstrebt oder irgendwann in einem Ensemble nach Blattmusik spielen will, kommt an den Noten langfristig nicht vorbei.

Nahaufnahme einer Hand auf dem Gitarrengriffbrett – Tabs vs. Noten beim Gitarre lernen für Anfänger

So liest du eine Tabulatur in drei Schritten

Schritt eins: Die sechs Linien stehen für die sechs Saiten deiner Gitarre, von oben die dünnste bis unten die dickste. Schritt zwei: Jede Zahl auf einer Linie zeigt den Bund, den du greifst – eine 3 auf der fünften Linie heißt schlicht dritter Bund, fünfte Saite. Schritt drei: Du liest von links nach rechts, genau wie Text, und jede Zahl kommt dran, sobald sie an der Reihe ist.

Der norberg Gitarrenkurs, mit dem ich meinen Plan durchgezogen habe, baut fast komplett auf diesem Prinzip auf – Griffbilder und Tabs statt dicker Theoriekapitel. Sobald die ersten Akkordwechsel dazukommen, siehst du direkt in der Tab, welcher Finger als Nächstes hinmuss, ohne vorher einen Notennamen im Kopf zu übersetzen.

Warum Tabs den Rhythmus nicht zeigen

Was Tabs nicht können: dir sagen, wie lange ein Ton klingen soll. Die Zahl verrät den Bund, aber nichts über Tempo oder Taktgefühl. Achim, der unter ziemlich jedem meiner Beiträge im Forum kommentiert, hat neulich behauptet, man könne den Rhythmus auch aus der Tab herauslesen, wenn man nur genau genug hinschaut. Stimmt so nicht ganz – die Zahl bleibt stumm, bis du den Rhythmus von woanders dazuholst, aus dem Song im Ohr oder aus einer eigenen Zählweise.

Das eigentliche Taktgefühl trainierst du nebenher, nicht über die Tab selbst – ein eigenes Thema, das mehr Raum verdient als ein Absatz hier. Wer wissen will, was mich die vier Wochen am Ende tatsächlich gekostet haben, findet die Zahlen unter Gitarre lernen Kosten: Was mich mein 4-Wochen-Selbstversuch wirklich kostet.

Laptop mit norberg Gitarrenkurs neben einer Kaffeetasse – Anfänger-Tipps zum Gitarre lernen mit Tabs

Brauche ich später trotzdem Noten?

Für den Anfang lautet die Antwort: nein, nicht zwingend. Für einen Lagerfeuer-Song oder eigene Aufnahmen reichen Tabs vollkommen aus. Erst wenn du mit einem Ensemble nach echten Notenblättern proben willst, wird klassische Notation zur Pflicht.

Dranbleiben ist dabei noch mal eine andere Baustelle als Lesen-Können – dazu schreibe ich an anderer Stelle ausführlicher. Wie ich das Üben neben Kundenterminen und Abgabefristen unterbringe, steht in Gitarre lernen neben dem Beruf, falls dich das auch beschäftigt.

Wann sich Tabs lohnen und wann nicht

Noten sind wie ein kompliziertes Rezept auf Latein – die Zutaten stehen zwar da, nur nicht, wie man den Herd anmacht. Tabs dagegen funktionieren eher wie Malen nach Zahlen: Du siehst sofort, wo der Finger hinmuss. Und wo die Lernkurve bei Noten steil wie eine Kletterwand hochgeht, fühlt sie sich bei Tabs eher an wie ein Spaziergang am Karl-Heine-Kanal – man kommt einfach voran, ohne ständig stehen zu bleiben.

Die Schwiele an meinem Zeigefinger fühlt sich inzwischen so selbstverständlich an, dass ich sie beim Saitenwechsel kaum noch bemerke – anders als am Anfang, wo jeder Griff ein kleiner Stich war. Wie genau sich die Fingerkuppen dabei verändern, ist noch mal ein eigenes Thema, das anderswo ausführlicher behandelt wird.

Wer noch nach passenden ersten Stücken sucht, findet ein paar echte Klassiker in Gitarrenlieder für Anfänger, die mit Tabs erstaunlich schnell klappen.

Wann sich Tabs lohnen und wann nicht

Tabs lohnen sich, wenn du schnell etwas Spielbares in den Händen halten willst und Musiktheorie dich eher blockiert als motiviert. Sie lohnen sich weniger, wenn dein Ziel eine fundierte musikalische Ausbildung ist oder du mit einer Band aus Noten proben musst, bei der alle dieselbe Partitur vor sich haben.

Heidrun, mit der ich sonntags am Karl-Heine-Kanal laufe, vergleicht solche Entscheidungen grundsätzlich mit Marathonvorbereitung: lieber gleichmäßig eine Methode durchziehen, als in Woche eins schon die perfekte Technik zu wollen. Bei Tabs heißt das für mich: erst mal spielen, die Feinheiten kommen von selbst.

Für den schnellen Einstieg ohne Theorie-Ballast bleibt der norberg Gitarrenkurs für mich der direkteste Weg – bodenständig, ohne Umwege, genau auf dieses Tab-Prinzip aufgebaut. Wer eher auf YouTube-Vibes und einen bekannten Kursleiter steht, findet im Michigit Gitarrenkurs eine Alternative, auch wenn ich die Struktur von norberg für einen straffen Wochenplan nach wie vor unschlagbar finde.

Meine Gitarre lehnt schon wieder griffbereit da. Der Ringfinger braucht noch ein bisschen Dehnung, aber die Zahlen auf dem Bildschirm reichen mir völlig, um wieder loszulegen.

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